Erstbesteigung des Mount Abi gescheitert - Deutsch-Nepalesische Expedition musste Besteigung 100m unter dem Gipfel abbrechen

Leiche eines unbekannten Bergsteigers am Mount Abi entdeckt - Extrem schwieriges Gelände und problematische Mischung aus Eis und Fels am machten Erstbesteigung unmöglich.

Kathmandu, 14. Dezember 2006 - Die Expedition zur Erstbesteigung des 6063 Meter hohen Mount Abi in der Everest-Region musste ohne Gipfelbesteigung nach Kathmandu zurückkehren. Die schwierigen Verhältnisse am Berg ließen eine Besteigung nicht zu, ohne die Teilnehmer unwägbaren Risiken auszusetzen. Auf dem Weg über die Westroute zum Gipfel fanden die Teilnehmer der Expedition die Überreste eines unbekannten Bergsteigers. Alle Mitglieder der Expedition sind wohlbehalten am 9. Dezember nach Kathmandu zurückgekehrt. Trotz der gescheiterten Expedition wurde das eigentliche Ziel, mehr Unterstützer für das Kinderhilfsprojekt "Poor and Orphan Relief Center" zu gewinnen, erreicht.

Trotz bürokratischer Hürden durch die NMA (Nepalese Mountaineering Association) - ein Schreibfehler seitens der NMA machte eine neue Streckenplanung noch zwei Tage vor dem Abflug nach Lukla notwendig -, startete die Expedition zur Erstbesteigung des 6063m hohen Mount Abi termingemäß am 22. November. Die Strecke verlief nun allerdings anders als im ursprünglichen Itinerary. Der Weg zum Mount Abi sah nun die Stationen Phakding - Namche Bazaar - Thengboche - Pheriche - Thukla - Lobuche Basislager - Überquerung des Cho La Passes - zum Mount Abi Basislager vor.

Nach der Ankunft in Lukla wurde die Ausrüstung vervollständigt und überprüft. Am 23. November brachen die Teilnehmer in Richtung Mount Abi, der in einem Seitental der Gokyo Region liegt, auf. In Namche Bazaar trafen die restlichen Mitglieder der Expedition - Climbing Sherpa, Koch und vier Träger ein. Die Gruppe umfasste somit insgesamt neun Teilnehmer. Nach der Passage von Thukla kampierte die Gruppe zur Akklimatisierung und Vorbereitung auf die Erstbesteigung am 28. November für drei Tage am Lobuche Base Camp. Von dort wurden Akklimatisationstouren zum Lobuche High Camp und anschließend zum Gipfel des Lobuche East (6090m) unternommen, um Mensch und Material für die Erstbesteigung des Mount Abi zu testen und vorzubereiten.

Nach dem erfolgreichen Abschluss dieser letzten Einübungen vor der Besteigung des Mount Abi brach die Gruppe am 2. Dezember zum nächsten Camp hinter Dzonghla lag auf. Dort musste allerdings einer der Teilnehmer aufgrund mittlerer Symptome der Höhenkrankheit nach Pheriche zurückkehren. Die beiden anderen Teilnehmer der Expedition - beides Reiseleiter des Münchner Veranstalters Hauser exkursionen - setzten ihren Weg über den Cho La Pass zum Mount Abi Base Camp am nächsten Tag fort. Nach der Errichtung des Base Camps wurden die möglichen Routen zum Gipfel näher untersucht: Für die Besteigung kamen zunächst drei mögliche Routen in Frage: die Südroute, die Ostroute und die Westroute. Eine Besteigung über die Nordroute kam aufgrund des schwierigen Geländes und der großen Entfernung, die eine Umrundung des Berges mit Trägern und Material unmöglich machten, nicht in Frage.

Nach zweitägiger Vorbereitungszeit im Basislager brach die Gruppe am 5. Dezember ins Hochlager in 5350 Metern Höhe am Fuße des Kangjung - Gletschers auf, um am nächsten Tag die Besteigung des Gipfels in Angriff zu nehmen. Eine von dort durchgeführte Erkundung möglicher Aufstiegsrouten ergab, dass eine Besteigung über die Südroute aufgrund von durch thermische Schwankungen hervorgerufenen Steinschlägen und einer 600m hohen, steil ansteigenden Felswand nahezu unmöglich war. Daher entschlossen sich Stephan Reichelt und Sudama Karki, die Besteigung über die Ost- und die Westroute zu versuchen, da die Expedition aufgrund der Vorabinformationen der NMA zudem für eine Besteigung über den westlich am Mount Abi gelegenen Gletscher ausgerüstet und vorbereitet war. Die Teilnehmer mussten auf der Westroute allerdings feststellen, dass der Gletscher stark zurückgegangen war und zudem so viele Risse und Spalten aufwies, dass der Anstieg über die Westroute bald abgebrochen werden musste.

Dort fanden Sie zudem in 5850 Metern Höhe die Überreste eines unbekannten Bergsteigers, der offensichtlich ebenfalls versucht hatte den Mount Abi zu besteigen. Dem Zustand der Leiche nach musste der Bergsteiger dort schon seit einigen Jahren liegen. Eine Bergung der sterblichen Überreste war aufgrund des schwierigen Geländes nicht möglich. Die Teilnehmer nahmen die genauen Positionsdaten auf und teilten sie später in Kathmandu den zuständigen Behörden mit.

Über die Ostroute gelangten die Bergsteiger über den Cho La Cole Gletscher bis ca. 100 m an den Gipfel des Mount Abi. Steiler, brüchiger Fels zwang Reichelt und Karki allerdings schließlich in einer Höhe von über 5900m zur Umkehr. Da sich die Wetterbedingungen sich durch den nahenden Wintereinbruch im Everest-Gebiet zu verschlechtern drohten, (die Temperaturen fielen nachts bereits auf -35 Grad Celsius) und die Nahrungs- und Brennstoffvorräte knapp wurden, beschloss die Gruppe, unter diesen ungünstigen Bedingungen die Besteigung abzubrechen.

Die Teilnehmer zeigten sich trotz der gescheiterten Erstbesteigung zuversichtlich, den Mount Abi doch noch bezwingen zu können. So ist der nächste Versuch bereits für den Mai 2006 geplant. Außerdem erreichte die Expedition ihr eigentlich wichtigstes Ziel: Durch die umfangreiche Berichterstattung der Presse in Deutschland und Nepal über die geplante Erstbesteigung des Mount Abi, gelang es den Teilnehmern weitere Unterstützer für das Kinderhilfsprojekt "Poor and Orphan Relief Center" zu gewinnen. "Zwar haben wir den Berg nicht bezwungen, aber wir konnten durch unser Vorhaben viele Menschen auf die Lage der Straßenkinder in Kathmandu aufmerksam machen und wir hoffen, dass wir noch mehr Menschen gewinnen können, die diesen Kindern helfen möchten", so Stephan Reichelt.

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Wir unterstützen das PORC in Nepal. Diese gemeinnützige Organisation, hat es sich zum Ziel gesetzt die Kinderarmut in Nepal zu bekämpfen...